Interview

Jenny Schneider • 28. Februar 2026

Königsdisziplin Generalüberholung: Hans Etz über Nachhaltigkeit und maximale Lebensdauer von Verpackungsmaschinen


"Am Ende steht da eine Maschine, die technisch und optisch kaum von einem Neugerät zu unterscheiden ist und wieder volle Leistung bringt." [Hans Etz]


Jenny Schneider: Hallo Hans. Schön, dass du dir Zeit genommen hast.


Hans Etz [1]: Kein Problem, sehr gerne.


Jenny Schneider: Hans, kannst du uns zu Beginn einen kurzen Einblick in deinen Aufgabenbereich geben?


Hans Etz: Gerne. Mein Schwerpunkt liegt in der Wartung, Reparatur und der sicherheitstechnischen DGUV V3-Prüfung [2] von Verpackungsmaschinen. Ich kümmere mich dabei vor allem um Umreifungsmaschinen, Nassklebeautomaten und Stretchwickler. Diesen Service bieten wir flexibel an – entweder direkt bei uns im Haus oder mobil beim Kunden vor Ort.


Jenny Schneider: Neben den klassischen Wartungs- und Reparaturarbeiten: Gehören auch komplette Generalüberholungen zu deinem Arbeitsalltag?


Hans Etz: Absolut. Generalüberholungen sind ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Sie sind natürlich deutlich umfangreicher als eine punktuelle Reparatur oder eine Standardwartung, da wir die Maschinen hierbei oft bis ins Detail zerlegen und grundlegend erneuern.


Jenny Schneider: Findet der Service schwerpunktmäßig in der eigenen Werkstatt oder eher beim Kunden statt? Wie sieht hier die prozentuale Verteilung aus?


Hans Etz: Das hängt stark vom jeweiligen Maschinentyp ab. Kleinere Geräte wie Akku-Umreifer oder Nassklebespender werden fast ausschließlich bei uns in der Werkstatt instand gesetzt. Bei stationären Anlagen wie Rahmen-Umreifern oder Stretchwicklern sieht es anders aus. Hier schätze ich das Verhältnis auf etwa 70 % Außendienst und 30 % Werkstatt. Der Grund ist simpel: Der logistische Aufwand für den Versand von großen Anlagen ist enorm hoch, weshalb wir den Service meist direkt in der Produktion des Kunden durchführen.


Jenny Schneider:  Welche technischen Kriterien sind für dich entscheidend, wenn eine Maschine zur Reparatur eintrifft, und wie sehen deine ersten Schritte aus?


Hans Etz: Der erste Schritt ist immer die visuelle Bestandsaufnahme. Ich verschaffe mir zunächst einen Überblick über den Allgemeinzustand. Nehmen wir als Beispiel eine Rahmen-Umreifungsmaschine: Zuerst entferne ich die Abdeckungen und größeren Bauteile, um freien Blick auf das Innenleben und die Mechanik zu bekommen. In den meisten Fällen zeigt sich hier bereits das Hauptproblem: massive Verschmutzung durch Staub oder Bandabrieb. Bevor ich die eigentliche Fehlersuche starte, muss die Maschine oft erst einmal gründlich gereinigt werden. Sobald die Sicht frei ist, starte ich die Maschine. Meistens zeigt sich das spezifische Fehlerbild dann sofort im laufenden Betrieb. Auf Basis dieser Diagnose können wir dann gezielt reagieren, Verschleißteile tauschen oder Einstellungen korrigieren.


Jenny Schneider: Gibt es typische Fehlerbilder, die dir in deinem Alltag am häufigsten begegnen?


Hans Etz: Definitiv. Es sind meistens die Komponenten, die einer ständigen mechanischen Belastung ausgesetzt sind – also alles, was sich bewegt oder unter Spannung steht, wie beispielsweise Zugfedern. Bleiben wir beim Beispiel der Rahmen-Umreifungsmaschine: Viele Bauteile haben eine natürliche Lebensdauer. Das kann man sich wie bei den Bremsscheiben oder Bremsbelägen beim Auto vorstellen – nach einer gewissen Anzahl an Arbeitszyklen sind sie einfach "durch" und müssen ersetzt werden. Bei Maschinen, die mit thermischem Verschluss arbeiten, gibt die Heizung durch den regelmäßigen Gebrauch irgendwann nach. Auch die Schneidmesser für das Umreifungsband werden mit der Zeit stumpf, was zu unsauberen Schnitten oder Bandstaus führt. Es ist also oft ein Zusammenspiel aus natürlichem Verschleiß und der Sauberkeit der Maschine, das über die Zuverlässigkeit entscheidet.


Jenny Schneider: Ab welchem Punkt gilt ein Gerät als technisch oder wirtschaftlich nicht mehr reparabel? Merkt man das als Experte relativ zügig?


Hans Etz:  Ja, das lässt sich meist schon nach der ersten fundierten Diagnose recht präzise einschätzen. Kritisch wird es immer dann, wenn ein „Totalschaden“ an den Kernkomponenten vorliegt – also wenn beispielsweise sowohl der Hauptmotor als auch die Steuerplatinen (die zentrale Elektronik) versagt haben. Der entscheidende Faktor ist hier oft der Arbeitsaufwand: Wenn für den Austausch dieser Teile die gesamte Maschine „entkernt“ werden muss – das heißt, die komplette Verkabelung gelöst, ausgebaut und anschließend fachgerecht neu verlegt werden muss – schießen die Lohnkosten in die Höhe. An diesem Punkt ist absolute Ehrlichkeit gegenüber dem Kunden gefragt. Wenn die Kosten für die Ersatzteile und die intensiven Arbeitsstunden den Preis einer Neuanschaffung erreichen, ist die wirtschaftliche Grenze überschritten. Hier muss der Kunde abwägen: Lohnt sich die Reparatur des Altgeräts noch oder ist die Investition in moderne Technik mit voller Gewährleistung – sei es eine Neumaschine oder eine professionell generalüberholte Anlage – die sinnvollere Wahl?


Jenny Schneider: Repariert ihr die Maschinen in der Regel sofort oder erhält der Kunde zunächst einen Kostenvoranschlag?


Hans Etz: Das hängt vom Umfang des Schadens ab. In den meisten Fällen wünscht der Kunde vorab einen detaillierten Kostenvoranschlag. Das bedeutet natürlich, dass das Gerät oft einige Tage bei uns in der Werkstatt verweilt, bis wir das offizielle „Go“ für die Instandsetzung erhalten. Anders sieht es bei kleineren Reparaturen aus: Wenn der Aufwand minimal ist und die Kosten in einem vorher abgestimmten Rahmen liegen, führen wir die Arbeiten oft direkt durch.


Jenny Schneider: Du hast vorhin den Allgemeinzustand der Geräte angesprochen. Welche Faktoren beeinflussen die Lebensdauer einer reparierten oder generalüberholten Maschine maßgeblich? Und was kann der Kunde selbst tun, um diese zu verlängern?


Hans Etz: Da gibt es zwei ganz entscheidende Hebel, die jeder Kunde selbst in der Hand hat:


  • Qualifizierte Bedienung: An der Maschine sollte nur Personal arbeiten, das fachgerecht und sachgemäß eingewiesen wurde. Viele Schäden entstehen schlicht durch Fehlbedienung oder Unkenntnis über die richtigen Einstellungen.
  • Regelmäßige Reinigung: Das ist fast das Wichtigste. Staub, Bandabrieb oder Klebereste führen dazu, dass wichtige Bauteile verkleben oder schwergängig werden. Eine saubere Maschine läuft nicht nur zuverlässiger, sondern verschleißt auch deutlich langsamer.


Jenny Schneider: Übernehmt ihr dann auch die Einweisung direkt an den Maschinen?


Hans Etz: Ja, absolut. Besonders wenn ein Kunde zum ersten Mal ein solches Gerät einsetzt, klären wir bereits im Vorfeld ab, ob eine fachgerechte Einweisung der Mitarbeiter gewünscht ist. Es ist uns wichtig, dass das Team vor Ort genau weiß, wie die Maschine optimal bedient und gepflegt wird, um Ausfälle von vornherein zu vermeiden.


Jenny Schneider: Was unterscheidet aus deiner Sicht eine fachgerechte Generalüberholung von einer einfachen Reparatur oder Wartung?


Hans Etz: Der Umfang ist ein völlig anderer. Bei der Reparatur konzentrieren wir uns rein auf den aktuellen Defekt – also: „Was ist jetzt gerade kaputt und wie kriegen wir es schnellstmöglich wieder zum Laufen?“

Die Wartung ist eine präventive Durchsicht, bei der wir die wichtigsten Bauteile kontrolliert, geschmiert und eingestellt werden.

Die Generalüberholung ist die „Königsdisziplin“. Hier wird die Maschine wirklich bis auf das Grundgestell zerlegt.


Jenny Schneider: Wie sehen die genauen Arbeitsschritte bei so einer Generalüberholung aus?


Hans Etz: Das ist ein sehr intensiver Prozess, bei dem wir keine Kompromisse machen: Wir nehmen die Maschine fachgerecht auseinander, bis nur noch der Rahmen steht. Jedes Einzelteil wird von Ablagerungen, Fett und Abrieb befreit. Nur an einem sauberen Teil erkennt man kleinste Haarrisse oder Materialermüdung. Wir nehmen uns jedes Lager, jede Feder, jeden Schalter und jede Führung einzeln vor. Verschleißteile werden konsequent ersetzt – egal, ob sie gerade noch funktionieren oder nicht. Wir verbauen hier quasi die Zuverlässigkeit für die nächsten Jahre. Die Maschine wird wieder montiert, neu eingestellt und auch optisch aufbereitet.

Am Ende steht da eine Maschine, die technisch und optisch kaum von einem Neugerät zu unterscheiden ist und wieder volle Leistung bringt.


Jenny Schneider:  Vielen Dank, Hans! Das war ein sehr aufschlussreicher Einblick in die Unterschiede zwischen Reparatur, Wartung und Generalüberholung. Würdest du vor diesem Hintergrund jedem Kunden eine regelmäßige Wartung seiner Maschinen ans Herz legen?


Hans Etz:  Absolut. Je nach Nutzungsumfang macht es definitiv Sinn, die Geräte ein- oder mehrmals pro Jahr technisch durchchecken zu lassen. Die gesetzliche verpflichtende DGUV V3-Prüfung (vielen noch als UVV- oder einfache „Stromprüfung“ bekannt) ist für alle elektrischen Betriebsmittel gesetzlich sowieso vorgeschrieben und muss jährlich erfolgen. Wenn der Techniker für die elektrische Prüfung ohnehin schon vor Ort ist, sollte man das direkt mit einer mechanischen Wartung kombinieren. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die elektrische Sicherheit ist nachgewiesen, und gleichzeitig wird die Mechanik geprüft, geschmiert und justiert. Diese Kombination ist das Beste, was man für die Lebensdauer einer Maschine tun kann. Wer wartet, investiert in die Zukunft seines Geräts und vermeidet unvorhergesehene Ausfälle oder teure Reparaturkosten [3].


Jenny Schneider: Wie stellt ihr sicher, dass eure generalüberholten Geräte technisch absolut zuverlässig und sicher im Betrieb sind?


Hans Etz: Unsere generalüberholten Maschinen werden buchstäblich auf Herz und Nieren geprüft. Sie verlassen unsere Werkstatt in einem Zustand, der technisch wie optisch oftmals einem Neugerät entspricht. Wir stehen hinter dieser Qualität und geben daher auf diese Geräte auch ganz regulär ein Jahr Gewährleistung (Verschleißteile ausgenommen). Der Kunde bekommt also die Sicherheit einer Neumaschine zum Preis einer Gebrauchten.


Jenny Schneider:  Das klingt wirklich sehr nachhaltig. Gehen wir technisch noch einen Schritt weiter: Ist es möglich – und auch sinnvoll – gebrauchte Ersatzteile aus Altgeräten in anderen Maschinen wiederzuverwerten?


Hans Etz:  Absolut. Wenn Geräte zu uns kommen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr wirtschaftlich instand gesetzt werden können, nutzen wir sie als wertvolle Ressource. Wir bauen alle noch intakten Komponenten aus, reinigen sie gründlich und lagern sie als geprüfte Gebrauchtteile ein. Wenn dann bei einer anderen Reparatur ein entsprechendes Teil benötigt wird, können wir es wieder einsetzen. Das spart wertvolle Rohstoffe – Nachhaltigkeit wird bei uns also wirklich großgeschrieben.


Jenny Schneider:  Welche Bauteile eignen sich denn besonders gut für diese Art der Wiederverwendung?


Hans Etz:  Vor allem robuste mechanische und elektrische Komponenten wie Motoren, komplette Schaltkästen oder teilweise auch gut erhaltene Kabelsätze. Diese Teile sind oft sehr langlebig und nach einer Aufbereitung technisch einwandfrei.


Jenny Schneider:  Und welche Komponenten würdest du aus Sicherheits- oder Qualitätsgründen grundsätzlich niemals gebraucht wiederverwenden?


Hans Etz:  Da ziehe ich eine ganz klare Linie. Sicherheitsrelevante Teile oder Komponenten mit hoher Materialermüdung wie Federn, Heizelemente oder Schneidmesser werden bei uns grundsätzlich immer durch Neuteile ersetzt. Hier geht die Betriebssicherheit der Maschine über alles.


Jenny Schneider:  Welche Prüfverfahren oder Qualitätskontrollen sind notwendig, bevor gebrauchte Ersatzteile erneut verbaut werden dürfen?


Hans Etz:  Das beginnt immer mit einer intensiven Sichtkontrolle: Wie ist der Zustand? Gibt es Risse oder übermäßigen Verschleiß? In der Praxis ist vieles wiederverwendbar, aber wir prüfen das individuell von Fall zu Fall. Ein ganz entscheidender Punkt dabei: Jedes Gerät, das unser Haus als „generalüberholt“ verlässt, durchläuft zwingend die gesetzliche DGUV V3-Prüfung.


Jenny Schneider:  Diese Prüfung führt ihr also bei jedem verkauften generalüberholten Gerät durch?


Hans Etz:  Ja, ausnahmslos. Es ist für uns enorm wichtig, dass wir garantieren können, dass die Maschine elektrisch sicher ist und niemand bei der Bedienung einen Stromschlag riskieren muss.


Jenny Schneider:  Eine letzte Frage, die wir eben schon mal angerissen hatten: Was würdest du einem Kunden raten, um die Lebensdauer und damit die Nachhaltigkeit seiner Maschine aktiv zu verlängern?


Hans Etz:  Mein wichtigster Rat: Die Maschine regelmäßig reinigen und professionell warten lassen [4]. Um das so stressfrei wie möglich zu gestalten, bieten wir unsere Wartungsverträge [5] an. Wir behalten die Termine im Blick und melden uns rechtzeitig beim Kunden. So stellen wir sicher, dass die Maschine immer top läuft und der Kunde rechtlich gegenüber der Berufsgenossenschaft (BG) abgesichert ist.


Jenny Schneider:  Lieber Hans, vielen lieben Dank für deine Zeit und dieses aufschlussreiche Gespräch!


Hans Etz:  Sehr gerne, jederzeit wieder!


[1] https://www.tp-schneider.de/ueber-uns#Mitarbeiter [zuletzt aufgerufen: 01.03.26]

[2] https://www.tp-schneider.de/maschinenservice [zuletzt aufgerufen: 01.03.26]

[3] https://www.buerklin.com/de/elektronik-kompetenz/instandhaltung/din-31051-grundlagen-der-instandhaltung/#wartung-nach-din-31051-vorbeugung-durch-regelmaessige-ueberpruefung [zuletzt aufgerufen: 01.03.26]

[4] https://de.trustarpack.com/blog/how-to-increase-the-productivity-of-a-wrapping-machine-2415636.html [zuletzt aufgerufen: 01.03.26]

[5] https://www.tp-schneider.de/wartung#Wartungsvertraege [zuletzt aufgerufen: 01.03.26]

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